Heimweh ... und was dagegen zu tun ist.

Samuel Urech v/o Wave 

Vorbemerkung: Dies ist eine satirische Kolumne und entsprechend nicht allzu ernst gemeint. Heimweh bei TNs in Lagern soll ernst genommen werden. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragt eure Abteilungsleiterin oder euren Coach.

Wer kennt das nicht. Man ist endlich im Lagerhaus oder auf dem Zeltplatz angekommen, hat sich (und die überdrehten Kinder) schon etwas organisiert, die ersten Aktivitäten sind durchgeführt worden, der Picasso sitzt bereits eklig im Nacken („Ah shit, jetzt wär bereits der Sportblock! Lassen wir den doch weg…“). Kurz: Das Lager ist so richtig angelaufen. Du und dein Leitungsteam funktioniert super zusammen, alles scheint auf ein tolles Lager hinauszulaufen. Der erste oder vielleicht zweite Abend ist da, ihr seid schon etwas müde, doch die Kinder müssen ins Bett.

Doch da plötzlich, aus dem Nichts und doch düster erahnt, hat das eine Kind Heimweh! Meist kommt es jedoch nicht direkt zu einem, sondern man wird von demjenigen Kind, das sowieso schon etwas nervt darüber lautstark informiert. „Duuuuuu, der Dachs hat Heimweh!“, schreit das mühsame und garantiert heimwehfreie Kind. Uff, dann wollen wir doch mal sehen… Dachs sitzt im Schlafraum und weint still vor sich hin. Die anderen Kinder stehen um ihn herum und versuchen zu trösten, was nicht wirklich funktioniert („Nur Babys haben Heimweh!“). Jetzt fragst du natürlich Dachs, was denn los sei. Er weint noch etwas mehr und kann es auch nicht wirklich sagen. Der Fall ist klar: Heimweh! Dachs will sofort nach Hause, es gefalle ihm nicht mehr im Lager. Was nun?

Heimweh ist bei Kindern und Jugendlichen grundsätzlich ein normales Verhalten. Kinder können ihre vertraute Umgebung und die alltäglichen Bezugspersonen, also z.B. Eltern und Geschwister, vermissen. In einer ungewohnten Umgebung, vielleicht das erste Mal weg von zu Hause, entsteht dann eine Sehnsucht danach, wieder in der vertrauten Umwelt zu sein. Als Leitungsteam ist es wichtig, diese Gefühle der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen. Am besten sucht der Lieblingsleiter oder die Lieblingsleiterin zusammen mit einer weiteren Leitungsperson das Gespräch mit dem Kind in einer ruhigen Umgebung, abseits von den anderen Kindern. Dort kann nach Gründen für das Heimwehgefühl gesucht werden. Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass nicht wirklich echtes Heimweh das Problem ist.

Ziel sollte es sein, das Kind möglichst zum Bleiben zu bewegen, da es so an der Situation wachsen und das Heimweh überwinden kann. Vielleicht findet Dachs noch nicht so den Anschluss an die anderen Wölfe? Versuch herauszufinden, was wirklich das Problem ist. Auf keinen Fall gleich eine Heimreise als Option anbieten, das ist im Notfall möglich, aber nicht die erste Lösung. Ein Telefon mit den Eltern kann helfen oder die Situation verschlimmern – je nachdem. Es braucht viel Einfühlungsvermögen, um dem Kind zuzuhören und eine Alternative zur Heimkehr zu finden. Gut funktioniert z.B. ein Kompromiss: „Dachs, jetzt bleibst du noch bis morgen, vielleicht wird es ja besser“. Auch Ablenkung oder die Lösung des eigentlichen Problems können helfen. Der ältere Wolf Pumukel wird Dachs als Götti beistehen. In den meisten Fällen kannst du so das Heimwehproblem lösen und das betroffene Kind durch das Überwinden seines Heimwehs an Selbstvertrauen gewinnen. Geht es gar nicht weiter, dann ist die Heimreise sicher eine Option.

Man kann es natürlich auch weniger geschickt anstellen mit dem Heimweh. Heimwehtabletten (Ricola und Konsorten) sind zu vermeiden, da sonst alle Kinder „Heimweh“, also Lust auf Süsses, bekommen und ihr als Leitungsteams die Kinder schon im zarten Wolfsstufenalter als künftige Medikamentenjunkies vorprägt. Gut, das war etwas übertrieben, aber Wundermittel gegen Heimweh sind meist kontraproduktiv. Ein Tee mit den Leitern ist da schon besser. Heimwehkinder als Memmen oder Ähnliches zu bezeichnen und von „Jetzt musst du halt mal hart sein“ reden ist ebenfalls wenig sinnvoll. Wenn allerdings zehn Kinder gleichzeitig Heimweh haben, dann ist wohl davon auszugehen, dass der Scheinheimwehvirus zugeschlagen hat. Eine tückische Lagerkrankheit! Hier muss man herausfinden, welchen Kindern es wirklich nicht gut geht und welche halt einfach mehr Aufmerksamkeit brauchen (ja, auch das gibt es).

Mittels neuen Kommunikationsmitteln sind Kinder stärker denn je mit ihren Eltern in Kontakt. Es kann schon vorkommen, dass das Heimwehkind die Eltern zur Abholung nach Hause ins Lager bestellt ohne den LeiterInnen etwas zu sagen. Das gilt es in jedem Fall zu verhindern! Der Kontakt zu den Eltern soll über das Leitungsteam erfolgen; diese kennen ihre Kinder am besten und sind erstaunlich oft der Meinung, das Kind soll vorerst mal im Lager verbleiben.

Dachs hat sich wieder beruhigt, er macht jetzt aktiver mit in der Gruppe und ist begeistert. Das Heimweh ist verflogen, er will am liebsten gar nicht mehr nach Hause. Dank dem sensiblen aber bestimmten Eingreifen seiner Leiter konnte er zum Bleiben und damit zu einem unvergesslichen Lager überredet werden. Gegen Ende des Lagers hat dafür das Leitungsteam so langsam „Heimweh“, wenig Schlaf, faule Mitleiter, fehlende Privatsphäre, mühsame Kinder („Wieso wollen die am Abend nicht einschlafen und am Morgen dann trotzdem schon um sechs Uhr aufstehen?“), der Picasso nur noch zu erahnen. Zum Glück ist das Lager bald vorbei und alle könne wieder in ihr vertrautes zu Hause. Alle müde, Dachs überglücklich, das Heimweh besiegt zu haben, die LeiterInnen zufrieden mit dem Lager und ihrem souveränen Umgang mit dem Heimweh.

 

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